Neues Palais im Park Sanssouci – Letzte Schöpfung Friedrichs

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Neues Palais im Park Sanssouci Potsdam

Das Neue Palais befindet sich an der Westseite des Park Sanssouci ist eine der großen Sehenswürdigkeiten des Parks. In diesem Beitrag möchten wir Ihnen das Barockschloss vorstellen.

Letzte Schöpfung Friedrichs im Park Sanssouci in Potsdam

Die sogenannte „Fanfaronade“ wurde in den Jahren 1763 bis 1769 anlässlich dem beendeten Siebenjährigen Krieg Preußens erbaut. Baumeister für Friedrich des Großen waren unter anderem Gottfried Büring, Heinrich-Ludwig Manger sowie Carl von Gontard. Der schöne Rokoko Bau steht im Westen und bildet hier den Abschluss des Parks. Die Tambourkuppel mit den vergoldeten Figuren der Drei Grazien, welche die preußische Krone auf einem Kissen tragen, ist bereits aus der Ferne erkennbar. Das Schloss war die letzte Schöpfung Friedrichs.

„Fanfaronade“ – Sommerhaus Friedrichs

Dabei handelt es sich um das größte Schloss im Park mit zahlreichen Nebengebäuden. Bei der letzten Schöpfung Friedrichs handelt es sich jedoch nicht etwa um ein Hauptschloss des Königs, sondern um ein Schloss für seine Gäste.

„maison de plaisance, ein Sommerhaus“

König Friedrich II. von Preußen nutzte das Schloss nur für kurze Sommeraufenthalte. In dieser Zeit empfing er seine Verwandten aus den deutschen und europäischen Fürstenhäusern. Den Rest des Jahres stand das Schloss leer.

Der Name „Fanfaronade“ (Prahlerei, Angeberei, Herumtrompeterei), wie Friedrich das Schloss selbst bezeichnete, erklärt auch den Grund des Baus. Das Neue Palais ist auch

„als Demonstration der wirtschaftlichen und geistigen Potenz Preußens nach einem Krieg gegen ganz Europa zu verstehen“ (Dr. Alfred Hagemann, © 2011, damals.de).

Aber das Schloss hatte noch eine weitere Bestimmung – es wurde für Besucher geöffnet. Und das ist es heute noch. Erst Kaiser Wilhelm II. machte es später zu seiner Sommerresidenz.

Neues Palais – Größtes Barockschloss Deutschlands

Das Neue Palais wurde bereits in der ersten Hälfte der 1750er Jahre durch König Friedrich beauftragt. Die Baupläne wurden auf Grundlage von Skizzen von König Friedrich durch Büring und Manger erarbeitet. Ursprünglich sollte das Schloss in der der südlichen Achse von Schloss Sanssouci an der Havel entstehen. Der Siebenjährigen Krieg veränderte aber die Pläne. Zum einen verzögerte sich der Baubeginn und zum anderen wurde das Schloss an das westliche Ende der Hauptallee des Parks verlegt.

Die Einweihung des Schlosses erfolgte am 19. Juli 1768. Es wurde aber später durch zahlreiche Erweiterungen ergänzt. So gehören zur Schlossanlage heute Communs, Wirtschaftsgebäude, Seitenflügel, Remisenhöfe, Kolonaden und ein Triumphtor. Die Fertigstellung wird daher auf das Jahr 1769 datiert.

Architektur

Das Neue Palais ist ein Barockschloss und besteht aus einem dreigeflügeligten Corps de Logis (Wohntrakt) um einen Ehrenhof mit niedrigen Seitenflügeln. Die Dreiflügelanlage hat eine Frontlänge von 220 Metern. Die Fassade ist durch ein rötliches Ziegelsteinmuster und kannelierten korinthischen Pilastern aus Sandstein in Kolossalordnung geprägt. Der rote Backstein wurde aus Kostengründen jedoch nur aufgemalt.

Gegenüber liegen zwei Communs. Diese Wirtschaftsgebäude waren mit einem unterirdischen Gang verbunden und dienten der Unterbringung von Dienerschaft, Küchen, Gefolge der Gäste und der Hofverwaltung. Zudem sind sie durch halbrund angelegten Kolonnade verbunden. Sie bilden den prachtvollen Abschluss der Parkanlage.

„Die Communs sollten ursprünglich auch den Blick zu den hinter dem Park befindlichen Sumpfflächen verstellen.“

Der Mittelteil des zweieinhalbgeschossigen Gebäudes – mit einem Halbgeschoss (Mezzanin) – wird von einer gewaltigen, funktionslosen 55 Meter hohen Hauptkuppel bekrönt. Auf der Kuppel befinden sich die Drei-Grazien-Gruppe. Die Kuppel dient nur der architektonischen Dekoration und hat darüber hinaus keinen Zweck. Sie beinhaltet keinen Raum.

Die beiden eingeschossigen pavillonartigen Nebenflügel haben einen L-förmigen Grundriss. Auch sie verfügen jeweils über eine Kuppel.

Auf den Balustraden und auf den Pilastersockeln sind über 400 Großfiguren und Skulpturen platziert, welche Szenen und Gestalten (Götter und Halbgötter) der antiken Mythologie darstellen. Mehrere Bildhauer und dutzende Steinmetze haben sechs Jahre lang daran gearbeitet.

Räume des Neuen Palais

Das Palais beinhaltet, auch aufgrund seiner Größe einige Räume und Säle. Das Bauwerk umfasst mehr als zweihundert Räume. Darin sind über 300 Gemälde italienischer, niederländischer und französischer Künstler.

In der Mitte des Gebäudes liegen zwei übereinanderliegende Festsäle. Im Süden schließen an der Gartenseite jeweils Galerien an. Diese führen im Parterre zur Königswohnung und in der Beletage zu den Räumen des Prinzen von Preußen. Darüber hinaus liegen an der Hoffront jeweils zwei Appartements.

Der südliche Seitenflügel zu den Communs hin beherbergt im Obergeschoss das Schlosstheater. Darunter liegen Gästezimmer.

Die Fürstenquartiere, welche für Empfänge genutzt wurden, schließen im Norden an die Mittelsäle an. Der hohe nördliche Seitentrakt wurde durch die Geschwister Prinz Heinrich und Prinzessin Amalie genutzt. Der niedrige nördliche Seitentrakt diente der Unterbringung der begleiteten Hofdamen und Kavaliere der Gäste.

Später gab es einige Umbauten, Modernisierungen und Umnutzungen von Räumen. So richtete sich zum Beispiel Friedrich Wilhelm III. eine Privatwohnung in der Wohnung des Prinzen von Preußen ein. Weitere Änderungen folgten jeweils mit dem Wechsel der Nutzer.

Zusammenfassend beherbergt das Neue Palais unter anderem folgende Räume:

  • Vestibül und Grotten- oder Muschelsaal
  • Marmorgalerie
  • Königswohnung mit Schlafzimmer, Schreibkabinett, Bibliothek
  • Konzertzimmer
  • Fürstenquartiere
  • Rote Damastkammer, Tresenzimmer, Ovales Kabinett
  • Wohnung des Prinzen von Preußen
  • Marmorsaal und Obere Galerie
  • Schlosstheater

Vestibül und Grotten- oder Muschelsaal

Als Besucher betritt man zuerst die Vorhalle – Vestibül. Anschließend kommt man zum Grotten- oder Muschelsaal.

Über 20.000 unterschiedliche Mineralien, Erzen, Fossilien, Muscheln und Schnecken, Gesteine und Artefakte zieren und dekorieren den den als Grotte gestalteten Gartensaal. Ursprünglich war der Saal etwas schlichter gestaltet, jedoch wurde die Wände durch Mineralien, Fossilien und Halbedelsteine im 19. Jahrhundert weiter bereichert.

An den Grottensaal grenzt das Tamerlanzimmer an, welches seinen Namen durch das darin enthaltende wandfüllende Gemälde (von Andrea Celestis) erhalten hat.

Marmorgalerie, Blaue Kammer und Konzertzimmer

Die durch die Lage nach Osten zum Park lichtdurchflutete Marmorgalerie grenzt östlich an die Grotten- oder Muschelsaal an. Sie führt zu der Blauen Kammer. Dieses Gemäldekabinett diente wohl als Warteraum und Aufenthaltsraum, um etwa auf ein Konzert zu warten. An die Blaue Kammer schließt sich das Konzertzimmer an. Dieses entstand in Anlehnung an das Konzertzimmer im Schloss Sanssouci.

Königswohnung mit Schlafzimmer, Rosa Kammer, Schreibkabinett, Bibliothek

Die Königswohnung grenzt an das Musikzimmer an und beinhaltet Schlafzimmer, Rosa Kammer, Schreibkabinett und Bibliothek. Zudem gibt es ein kleines Speisezimmer und ein kleines Lesekabinett. Die Wohnung wurde im Herbst 1765 mitsamt Möblierung fertiggestellt.

Fürstenquartiere

Die beiden Fürstenquartiere lagen übereinander im nördlichen Wohntrakt und waren über separate Treppenhäuser erreichbar. Für die öffentliche Nutzung vorgesehen waren jeweils drei große Räume, auf welche ein Konzertzimmer und ein kleines Kabinett folgten. Zudem hab es private Zimmer. Dazu zählten jeweils Vorzimmer, Gemälde- und Schreibkabinette, Ruhezimmer und Schlafzimmer.

Wohnung des Prinzen von Preußen

Über der Königswohnung lag die Wohnung des Prinzen von Preußen. Es bestand nur aus drei Räumen und war in Anbetracht der Größe des Schlosses flächentechnisch sehr gering bemessen. Es bestand aus einen Vorzimmer, einem Schlafzimmer und ein Kabinett.

Marmorsaal und Obere Galerie

Der Marmorsaal ist der Hauptsaal und geht auf eine Idee von Carl von Gontard zurück. Er ähnelt dem Marmorsaal des Potsdamer Stadtschlosses. Er liegt über den Grotten- oder Muschelsaal und war für die Präsentation großformatige Gemälde konzipiert. Die großen Wandflächen sind durch korinthische Pilaster gegliedert. Der Fußboden besteht aus einheimischen Marmor aus dem reichen schlesischen Vorkommen. Die Decke ziert ein großes Deckengemälde von Amédée van Loo: „Göttermahl mit der Einführung Ganymeds in den Olymp“.

Südlich neben dem Marmorsaal befindet sich die Obere Galerie, welche mit sechs großen Wandgemälden italienischer Barockmalerei ausgestattet ist.

Schlosstheater im Neuen Palais

Das Schlosstheater ist einer der schönsten noch erhaltenen Theaterräume des 18. Jahrhunderts. Es wurde in Form eines Amphitheaters realisiert. Dabei wurde auch auf eine Königsloge verzichtet. Friedrich soll selbst in der ersten Reihe gesessen haben.

1832 wurde hier Felix Mendelssohns Bartholdys Musik zu „Ein Sommernachtstraum“ im Theater uraufgeführt.

Rote Damastkammer, Tresenzimmer, Ovales Kabinett

Das Neue Palais verfügt darüber hinaus über eine Vielzahl weiterer Räume. Zu nennen sind hier insbesondere die Rote Damastkammer, das Tresenzimmer und das Ovales Kabinett. Alle Räume umfassen einzigartige Merkmale, sind mit Gemälden ausgestattet oder verfügen besonderen Einrichtungsgegenständen.

Adresse

Am Neuen Palais, 14469 Potsdam

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Tickets

Tickets sind ausschließlich vor Ort an der Kasse erhältlich

Weitere Informationen dazu unter https://www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/neues-palais/

Führung und Tickets mit GetYourGuide 

 

Öffnungszeiten

Sommersaison (Gültig: 01.04.2020 – 31.10.2020)

Montag, Mittwoch bis Sonnstag: 10:00 – 17:30

Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließzeit.

Quellenangaben:

  • Potsdam-Lexikon (2010): Stadtgeschichte von A bis Z / im Auftr. des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte und der Landeshauptstadt Potsdam, Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte: Berlin : vbb, Verl. für Berlin-Brandenburg.
  • MARCO POLO Reiseführer Potsdam mit Umgebung (2015) / Bernd Wurlitzer ; Kerstin Sucher, 11. Auflage: Ostfildern : Marco Polo / Mairdumont.
  • Das Neue Palais von Sanssouci (2018) / Text: Henriette Graf ; Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg: Berlin ; München : Deutscher Kunstverlag.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Neues_Palais (abgerufen 11.05.2020)
  • https://www.wissenschaft.de/magazin/weitere-themen/friedrichs-gebaute-fanfaronade/ (abgerufen 11.05.2020)

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