Francesco Algarotti (1712-1764) | Berater Friedrich des Großen

Der im gleichen Jahr wie Friedrich II.  geborene Venezianer Francesco Algarotti wurde durch den König in den Grafenstand erhoben und war viele Jahre Berater in Sachen Philosophie und Literatur, Kunst und Musik und Mitglied der legendären Tafelrunde von Sanssouci. Der Beitrag widmet sich ihm und seiner Beziehung zu Friedrich dem Großen.

Francesco Algarotti | Gelehrter – Connaisseur – Poet

Francesco Algarotti
Jean-Étienne Liotard: Porträt des Francesco Algarotti (1745; Rijksmuseum Amsterdam)

Am 24. Januar 1712 wurde in Berlin der preußische Kronprinz geboren, am 31. Mai 1740 bestieg er als Friedrich II. den Thron. Auf Empfehlung Voltaires kam der gleichaltrige Venezianer Francesco Algarotti nach Berlin. Friedrich erhob den „paduanischen Schwan“ in den Grafenstand, er sollte „der Mann für die guten Gelegenheiten“ sein. Die Inschrift auf dem Portikus der Oper Unter den Linden FRIDERICVS REX APOLLINI ET MVSIS geht auf seinen Vorschlag zurück. 1742 fürchtete Algarotti um seine Freiheit und wandte sich nach Sachsen.

Zum Geburtstag Augusts III. brillierte er als Librettist, sein Projekt zur Vervollkommnung des königlichen Museums lehnte der Oberkammerherr Heinrich von Brühl allerdings ab. Algarotti sollte sich nach Italien begeben und seiner Vision entsprechend Künstler mit Gemälden beauftragen. Darüber hinaus war der Ankauf repräsentativer Gemälde alter Meister zu vermitteln. Als besonders nachhaltig gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Maler Giovanni Battista Tiepolo. Berühmteste Erwerbung wurde „Das Schokoladenmädchen“, das Algarotti 1745 von dem Maler Jeanne-Étienne Liotard in Venedig erwarb – „das schönste Pastell, das man je gesehen hat“. Nach vier Jahren selbstloser Tätigkeit im Dienste Seiner Majestät wurde Algarotti mit dem Titel eines Kriegsrats abgefunden. Enttäuscht kehrte er 1747 nach Preußen zurück.

Francesco Algarotti | Rückkehr nach Sanssouci

Friedrich II. verzieh dem Schöngeist seine Verirrungen. Er verlieh ihm die Kammerherrenwürde und den Orden Pour le mérite. Francesco Graf von Algarotti stand dem König fortan in Sachen Philosophie und Literatur, Kunst und Musik zur Verfügung und bereicherte die Tafelrunde von Sanssouci. Legendär wurden die angeregten Dispute mit dem Franzosen Voltaire, von dem Maler Adolph von Menzel einhundert Jahre später ins Bild gesetzt.

Nachdem das Forum Fridericianum in Berlin Gestalt angenommen hatte, ermutigte Algarotti den König zur Fortsetzung seiner Bautätigkeit in Potsdam. Im Ostflügel des Stadtschlosses wurde das Baucomptoir eingerichtet, 1751 begannen die Arbeiten. Inspiriert von zahlreichen Veduten und Architekturstichen, Handskizzen des Königs und seines Kammerherrn verwandelte sich der Alte Markt in eine römische Piazza, die der Hofbaumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff mit einem Marmorobelisk schmückte. Ausgewählte Bürgerhäuser erhielten barocke oder klassizistische Fassaden, im Volksmund „Schminkpflästerchen“ genannt. Zwei Jahre später kehrte Algarotti aus gesundheitlichen Gründen nach Italien zurück, wo er 1764 verstarb. In Pisa befindet sich das von seinem Gönner gestiftete Epitaph.

Buchtipp zu Francesco Algarotti

Das im Bertuch Verlag Weimar erschienene Taschenbuch FRANCESCO ALGAROTTI. Gelehrter – Connaisseur – Poet [ISBN 978-3-86397-140-3] spannt einen weiten Bogen von Venedig über Dresden nach Berlin und Potsdam. Es gibt auf unterhaltsame Weise Auskunft, welche künstlerischen und kulinarischen Delikatessen Algarotti zu verdanken sind.