Holländisches Viertel Potsdam

134 Backsteinhäuser in vier Karrees – Geschichte, Museum, Rundgang und praktische Hinweise für Ihren Besuch

Das Holländische Viertel liegt im Zentrum Potsdams und umfasst 134 historische Backsteinhäuser. Mittelstraße und Benkertstraße gliedern das Ensemble in vier Karrees. Das Quartier entstand zwischen 1733 und 1742 unter Friedrich Wilhelm I.; die Bauleitung übernahm der aus Amsterdam stammende Jan Bouman.

Der öffentliche Straßenraum ist jederzeit und kostenlos zugänglich. In den Häusern befinden sich Wohnungen, kleine Geschäfte, Galerien, Cafés und Restaurants. Wer sich genauer mit der Geschichte und Bauweise des Viertels beschäftigen möchte, kann das Jan-Bouman-Haus in der Mittelstraße 8 besuchen.

Das Holländische Viertel ist Teil vieler Stadtrundgänge – ideal, um Potsdam entspannt zu entdecken

Holländisches Viertel auf einen Blick

Die wichtigsten Informationen für Ihren Besuch im Überblick.

Das historische Kernensemble wird im Norden von der Kurfürstenstraße, im Osten von der Hebbelstraße, im Süden von der Gutenbergstraße und im Westen von der Friedrich-Ebert-Straße begrenzt.

Zuletzt redaktionell geprüft: 3. August 2026

Geschichte des Holländischen Viertels

Friedrich Wilhelm I. wollte erfahrene niederländische Handwerker nach Potsdam holen. Während einer Reise in die Niederlande warb er 1732 in Amsterdam drei Zimmerermeister und einen Mauermeister an. Zu ihnen gehörte Jan Bouman, der noch im selben Jahr mit seiner Familie nach Potsdam kam. 1733 begann unter seiner Leitung der Bau des Holländischen Viertels.

Um weitere Handwerker zur Ansiedlung zu bewegen, gewährte der König Privilegien. Niederländische Handwerker sollten ein Haus erhalten, von militärischen Einquartierungen befreit sein, ihren Glauben ausüben dürfen und mit Aufträgen versorgt werden. Der erhoffte Zuzug blieb dennoch begrenzt: Von den ersten 40 Häusern wurden nur 18 von niederländischen Handwerkern bewohnt.

Als Friedrich Wilhelm I. 1740 starb, war etwa die Hälfte des Quartiers fertiggestellt. Friedrich II. ließ den Bau fortsetzen. Im September 1742 waren alle 134 Häuser vollendet. Zu diesem Zeitpunkt lebten dort 22 niederländische Handwerkerfamilien. Andere Häuser wurden von Soldaten, Witwen sowie deutschen und französischen Familien genutzt.

Im 20. Jahrhundert verschlechterte sich der bauliche Zustand vieler Häuser. Das gesamte Ensemble wurde 1979 unter Denkmalschutz gestellt. Nach 1990 begann eine umfassende Sanierung, an der sich die Stadt, private Eigentümer und weitere Fördermittelgeber beteiligten. Die Sanierungssatzung trat 1992 in Kraft und wurde Ende 2021 aufgehoben. Die Erhaltungssatzung und die geltenden Bebauungspläne bestehen weiterhin.

Historische Backsteinhäuser an einem Straßenzug im Holländischen Viertel in Potsdam.
Blick durch einen Straßenzug des Holländischen Viertels mit zweigeschossigen Backsteinhäusern, Giebelfassaden und weißen Fensterrahmen.

Architektur und Bauweise

Die Häuser unterscheiden sich deutlich von vielen verputzten Bürgerhäusern der Potsdamer Innenstadt. Kennzeichnend sind unverputzte rote Backsteinfassaden, helle Fugen, weiße Fensterrahmen, Fensterläden und teilweise geschwungene Giebel. Neben giebelständigen Häusern gibt es Gebäude, deren Dachseite parallel zur Straße verläuft.

Die Fassaden folgen wiederkehrenden Grundformen, sind aber nicht vollständig identisch. Unterschiede zeigen sich unter anderem an Giebeln, Eingängen, Fensteranordnungen und Dachformen. Die weitgehend geschlossene Bebauung der Straßenzüge vermittelt dennoch ein einheitliches Straßenbild.

Viele Häuser dienten ursprünglich zugleich als Wohnung und Arbeitsplatz. Werkstätten, Lager- und Wirtschaftsräume lagen teilweise in den Höfen oder Nebengebäuden. Diese Verbindung von Wohnen und Arbeiten besteht in veränderter Form bis heute: Neben Wohnungen finden sich im Viertel kleine Läden, Gastronomie, Galerien und handwerklich genutzte Räume.

Jan-Bouman-Haus

Das Jan-Bouman-Haus befindet sich in der Mittelstraße 8. Das Giebelhaus entstand um 1735 und besitzt einen vergleichsweise großen Bestand historischer Bausubstanz. Zum restaurierten Ensemble gehören das Vorderhaus, der Hof, ein Fachwerk-Hofgebäude und der Hausgarten.

Die Ausstellung behandelt die Entstehung des Holländischen Viertels, die ursprüngliche Nutzung der Häuser und die Restaurierung des Gebäudes. Das historische Haus selbst ist ein Teil der Ausstellung und vermittelt einen Eindruck von der Raumaufteilung und den Abmessungen der ursprünglichen Wohn- und Handwerkerhäuser.

Adresse

Jan-Bouman-Haus
Mittelstraße 8
14467 Potsdam

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag: 13 bis 18 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage: 11 bis 18 Uhr

Am 24., 25. und 31. Dezember bleibt das Museum geschlossen.

Eintritt

Erwachsene: 3 Euro
Ermäßigt: 2 Euro
Kinder bis 16 Jahre: frei

Öffnungszeiten und Eintrittspreise können sich ändern. Prüfen Sie die aktuellen Angaben vor dem Besuch auf der Website des Jan-Bouman-Hauses.

Backsteinhaus mit dem Restaurant Fliegender Holländer im Holländischen Viertel in Potsdam.
Historisches Backsteingebäude mit dem Restaurant Fliegender Holländer und Außengastronomie im Holländischen Viertel in Potsdam.

Rundgang durch das Holländische Viertel

Ein Rundgang lässt sich gut am Nauener Tor beginnen. Von dort führt die Friedrich-Ebert-Straße nach wenigen Schritten zur Mittelstraße. Bereits an der westlichen Seite des Viertels sind die langen Reihen der zweigeschossigen Backsteinhäuser zu erkennen.

Folgen Sie der Mittelstraße in östlicher Richtung. In der Mittelstraße 8 liegt das Jan-Bouman-Haus. An der Kreuzung mit der Benkertstraße wird die Gliederung des Viertels besonders deutlich: Beide Straßen durchqueren das Ensemble und teilen es in die vier historischen Karrees.

Gehen Sie anschließend ein Stück durch die Benkertstraße und über die Gutenbergstraße zum Bassinplatz. Dort stehen die katholische Kirche St. Peter und Paul und die Französische Kirche. Über die Friedrich-Ebert-Straße gelangen Sie zurück in Richtung Nauener Tor oder weiter zur Brandenburger Straße.

Für den Rundgang ohne Museumsbesuch sollten Sie je nach Tempo etwa 30 bis 60 Minuten einplanen. Mit einem Besuch im Jan-Bouman-Haus, einer Pause oder einem Abstecher zum Bassinplatz dauert der Aufenthalt entsprechend länger.

Geschäfte, Cafés und heutige Nutzung

Das Holländische Viertel ist weiterhin ein Wohnquartier. Viele Erdgeschosse werden jedoch von kleinen Geschäften, Cafés, Restaurants, Galerien und Werkstätten genutzt. Die meisten öffentlich zugänglichen Angebote liegen an der Mittelstraße, der Benkertstraße und im Bereich der Friedrich-Ebert-Straße.

Da die Geschäfte und gastronomischen Betriebe unabhängig voneinander geführt werden, gibt es keine einheitlichen Öffnungszeiten. Wer ein bestimmtes Geschäft oder Restaurant besuchen möchte, sollte die jeweiligen Angaben vorab prüfen.

Bei einem Besuch sollte berücksichtigt werden, dass sich die Geschäfte und Gaststätten in einem bewohnten historischen Quartier befinden. Innenhöfe und Hauseingänge gehören häufig zu privaten Wohnbereichen und sind nicht allgemein zugänglich.

Veranstaltungen im Holländischen Viertel

Im Holländischen Viertel finden regelmäßig Veranstaltungen mit niederländischem Bezug statt. Die beiden bekanntesten sind das Tulpenfest im Frühjahr und das Sinterklaas-Fest in der Adventszeit. Das Jan-Bouman-Haus und der Förderverein informieren über aktuelle Termine und Programme.

Tulpenfest

Das Tulpenfest wird gewöhnlich im Frühjahr im Holländischen Viertel und auf angrenzenden Flächen veranstaltet. Zum Programm gehören in der Regel Verkaufsstände, Blumen, Kunsthandwerk, Speisen und kulturelle Beiträge.

Da Termin, Eintrittsregelung und Veranstaltungsfläche variieren können, sollten die aktuellen Angaben direkt beim Veranstalter geprüft werden.

▶ Weitere Informationen zum Potsdamer Tulpenfest

Sinterklaas-Fest

Das Sinterklaas-Fest findet gewöhnlich während der Adventszeit statt. Es orientiert sich an niederländischen Bräuchen und umfasst Marktstände, gastronomische Angebote und ein begleitendes Veranstaltungsprogramm.

Aktuelle Termine und mögliche Zugangsbeschränkungen werden vor der Veranstaltung veröffentlicht.

▶ Weihnachtsmärkte in Potsdam

Anreise zum Holländischen Viertel

Das Holländische Viertel erreichen Sie bequem zu Fuß aus der Potsdamer Innenstadt. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, profitiert von der zentralen Lage und den kurzen Wegen vom Hauptbahnhof oder von innerstädtischen Haltestellen. Auch im Rahmen einer Stadtrundfahrt oder eines geführten Rundgangs lässt sich das Viertel problemlos einbinden.

Wenn Sie mit dem Auto kommen, ist es meist sinnvoller, in zentralen Parkhäusern oder auf ausgewiesenen Stellplätzen in der Innenstadt zu parken und den restlichen Weg zu Fuß zurückzulegen. Gerade an Veranstaltungstagen wie dem Tulpenfest oder dem Sinterklaas-Fest kann es im direkten Umfeld deutlich voller werden. Diese Empfehlung ergibt sich aus der innerstädtischen Lage und dem Besucheraufkommen bei Großveranstaltungen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Die nächstgelegene Haltestelle ist Nauener Tor. Sie wird von Straßenbahnen und Bussen angefahren. Von der Haltestelle sind es nur wenige Gehminuten bis zur Mittelstraße und zur Benkertstraße.

Vom Potsdamer Hauptbahnhof kann das Nauener Tor ohne langen Fußweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Da sich Linien und Fahrpläne ändern können, empfiehlt sich vor der Anreise eine aktuelle Verbindungsauskunft.

Zu Fuß

Von der Brandenburger Straße, dem Bassinplatz oder dem Platz der Einheit lässt sich das Viertel schnell zu Fuß erreichen. Vom Alten Markt führt der Weg über den Platz der Einheit und den Bassinplatz in das Quartier.

Mit dem Auto

Im historischen Viertel selbst stehen nur begrenzt öffentliche Stellplätze zur Verfügung. Als Parkmöglichkeit nennt das Jan-Bouman-Haus das kostenpflichtige Parkhaus Holländisches Viertel/Klinikum Ernst von Bergmann in der Hebbelstraße 1. Der Fußweg zum Museum beträgt nach Angaben des Museums etwa 500 Meter.

Weitere Parkhäuser befinden sich am Platz der Einheit und an der Hegelallee. An Veranstaltungstagen ist im Umfeld mit höherem Verkehrs- und Besucheraufkommen zu rechnen.

Führungen, Touren und Besichtigungen

Das Holländische Viertel ist Bestandteil vieler Stadtführungen und Stadtrundfahrten durch Potsdam. Geführte Rundgänge verbinden das Quartier häufig mit dem Nauener Tor, der Brandenburger Straße, dem Alten Markt oder weiteren Bereichen der historischen Innenstadt.

Eine Führung ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie mehr über die ursprüngliche Nutzung der Häuser, die Ansiedlungspolitik Friedrich Wilhelms I. und die Sanierung des Viertels erfahren möchten. Für einen ersten Überblick kann das Quartier jedoch auch ohne Führung gut zu Fuß erkundet werden.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Das Holländische Viertel lässt sich mit mehreren Zielen in der Potsdamer Innenstadt verbinden.

Nauener Tor: Das Tor steht unmittelbar westlich des Viertels und bildet einen geeigneten Ausgangspunkt für einen Rundgang.

Bassinplatz: Der große Stadtplatz schließt südlich an das Viertel an. Dort befinden sich die Kirche St. Peter und Paul, die Französische Kirche und der Wochenmarkt.

Brandenburger Straße: Potsdams zentrale Einkaufsstraße beginnt wenige Gehminuten westlich des Viertels und führt zum Brandenburger Tor.

Alter Markt: Am Alten Markt liegen das Museum Barberini, die Nikolaikirche, das Potsdam Museum und der rekonstruierte Landtag im früheren Stadtschloss.

▶ Weitere Sehenswürdigkeiten in Potsdam

Bilder vom Holländischen Viertel

Die Bilder zeigen unterschiedliche Straßenzüge, Giebel- und Traufenhäuser sowie Details der historischen Backsteinfassaden.

FAQ

Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen rund um das Holländische Viertel Potsdam – ideal zur Vorbereitung Ihres Besuchs.

Wo liegt das Holländische Viertel in Potsdam?

Das historische Kernensemble liegt zwischen Kurfürstenstraße, Hebbelstraße, Gutenbergstraße und Friedrich-Ebert-Straße. Mittelstraße und Benkertstraße führen durch das Viertel.

Das historische Ensemble besteht aus 134 Backsteinhäusern in vier Karrees. Die Landeshauptstadt Potsdam bezeichnet es als europaweit einziges geschlossenes Quartier in holländischer Bauweise außerhalb der Niederlande.

Das historische Ensemble umfasst 134 Häuser in vier Karrees. In einzelnen touristischen Darstellungen werden größere Zahlen genannt, wenn angrenzende Gebäude in holländischer Bauweise mitgezählt werden.

Nein. Die Straßen des Holländischen Viertels sind öffentlich zugänglich. Eintritt wird nur für das Jan-Bouman-Haus, bestimmte Führungen oder einzelne Veranstaltungen erhoben.

Für das Viertel selbst gelten keine Öffnungszeiten. Geschäfte, Gastronomie und das Jan-Bouman-Haus haben jeweils eigene Öffnungszeiten.

Für einen Rundgang ohne Museumsbesuch reichen je nach Tempo etwa 30 bis 60 Minuten. Mit einem Besuch des Jan-Bouman-Hauses, einer Pause oder einem Abstecher zum Bassinplatz sollte mehr Zeit eingeplant werden.

Das Museum ist besonders für Besucher geeignet, die sich für die Bauweise, die ursprüngliche Nutzung der Häuser und die Geschichte des Quartiers interessieren. Da das historische Haus selbst Teil der Ausstellung ist, werden Aufbau und Dimensionen der Gebäude dort anschaulicher als bei einem Rundgang durch die Straßen.

Das Tulpenfest wird gewöhnlich im Frühjahr veranstaltet, das Sinterklaas-Fest in der Adventszeit. Die genauen Termine werden jährlich von den Veranstaltern veröffentlicht.

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